Gesellschaft für bedrohte Völker, Schweizer Sektion, vielfalt,
September 1999
Bosnien-Herzegowina ist ein Land mit
zwei sogenannten „Entitäten“ (der moslemisch-kroatischen Föderation und
der „Republika Srpska“), drei bis vier Armeen, drei Sprachen (Serbokroatisch
ist im Krieg gefallen) und vier Währungen, ein Land ohne einheitliche
Grenzpolizei und Telefonkarten. Fast alles ist vier Jahre nach Dayton noch immer
ethnisch geteilt, vor allem eines: die Wahrheit.
Von Marcel Stoessel*
Wie merkt man, dass man - von der kroatischen Adriaküste kommend - die
Grenze von Kroatien zu Bosnien-Herzegowina überquert hat? Es wehen kroatische
Fahnen. Die Sprache ist „kroatisch“. Es wird mit kroatischen Kuna bezahlt.
Und auch die kroatischen Telefonkarten braucht man nicht wegzuwerfen. Was also
ist das Erkennungszeichen von Bosnien-Herzegowina, außer SFOR-, UNO- und
OSZE-Fahrzeugen? Es sind die Dörfer, in denen die Häuser keine Dächer mehr
haben. Der Bus fährt an einigen vorbei, wo absolut nichts mehr steht. Und nach
den Ruinen folgen die Friedhöfe. Ein schockierender Anblick, schon nach 10
Minuten im Land: Durch Friedhöfe ersetzte Dörfer: Willkommen in
Bosnien-Herzegowina.
